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Festival Kammermusik Bodensee 27. bis 29. August 2021

Sehnsucht                          

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Emotionale Sehnsuchtsmusik am Festival Kammermusik Bodensee 2021

„Dass Kammermusik zu den erfüllendsten, weil so intimen Musikerlebnissen gehört, hat auch die aktuelle Ausgabe des Festivals Kammermusik Bodensee am Wochenende auf dem Ermatinger Lilienberg bewiesen. Die Reihe ist seit 2008 ein Highlight im Thurgauer Musikjahr.“ So schreibt der Musikjournalist Martin Preisser im Tagblatt passend und trifft damit die emotionale Atmosphäre, die während der Konzerte zum Thema Sehnsucht im Konzertsaal des Lilienberg-Zentrums die Musikfreunde erfüllte. Auch in diesem Jahr war es keine Selbstverständlichkeit, dass das Festival vom 27. bis 29. August so erfolgreich durchgeführt werden konnte.

 

Obschon für das Publikum an den Konzerten noch Abstände und Maskenpflicht galten, war das Interesse gross und der Saal bei allen Konzerten sehr gut besetzt. Das diesjährige Thema Sehnsucht hielt als verborgenes Band die Musik des Festivals zusammen. Die schwedische Starsopranistin Malin Hartelius eröffnete denn auch das erste Konzert mit dem Lied der Mignon von Franz Schubert „Nur wer die Sehnsucht kennt…“ Die Sängerin überzeugte nicht nur in allen drei Konzerten mit ausdrucksstarken Auftritten, sondern erteilte am Freitag und Samstag jeweils am Vormittag auch einen öffentlichen Workshop für junge Sängerinnen. In der eindrücklichen Matinee Junge Talente vom Sonntagvormittag präsentierten sie ihr Können zusammen mit zwei jungen Musikerinnen der PMS Kreuzlingen und dem jungen Ichos Quartett aus dem Thurgau.  

Der für die Teilnehmerinnen kostenlose Workshop und die Matinee gehören zum traditionellen Engagement des Festivals und des Förderkreises Kammermusik Schweiz für den Nachwuchs. Zusätzlich integrierte der Künstlerische Leiter Martin Lucas Staub dieses Jahr zwei hochtalentierte Schweizer Nachwuchsmusikerinnen auch ins Ensemble der internationalen Profis. Die Klarinettistin Mariana Rüegg und die Geigerin Audrey Haenni nutzten diese Chance und präsentierten sich als engagierte und feinfühlige Kammermusikerinnen. Im Eröffnungskonzert vom Freitag interpretierte Mariana Rüegg die Fantasiestücke op. 73 von Schumann mit feinsinnigem, gesanglichen Spiel und überzeugte danach auch in den Deutschen Liedern von Louis Spohr zusammen mit Malin Hartelius und Martin Lucas Staub. „Die Spohr-Lieder waren eine Entdeckung. Da ist in der zarten Melancholie ein Schuss mehr Heiterkeit dabei als etwa bei Schubert. Spohrs Tonsprache ist direkt, ganz unmittelbar aufs Wort zugeschnitten, mit spannenden, manchmal eigenwilligen Zugängen und Harmonien.“ lesen wir darüber im Tagblatt. Davor hatte sich die Bratschistin Ruth Killius in Schuberts Lied «Auf dem Strom» zu Klavier und Sopran gesellt. „Ein eher ungewöhnliches Schubertlied, für Schubert fast extrovertiert, dramatisch durchgestaltet mit teilweise überraschenden opernhaften Momenten. Die drei Interpreten gestalteten es packend und einnehmend.“ Im zweiten Programmteil fügte sich dann Audrey Haenni als zweite Violine nahtlos ins Ensemble mit dem Schweizer Klaviertrio und Ruth Killius ein in einer rauschhaften Interpretation von Schumanns berühmtem Klavierquintett op. 44.

Auch im Samstagskonzert unter dem Titel Sonnenuntergang wirkte die junge Geigerin im Quartett mit Angela Golubeva an der ersten Violine, Ruth Killius und dem Cellisten Sébastien Singer mit in Mozarts allererstem Streichquartett, das er mit 14 Jahren komponierte. Das spielfreudige, fein artikulierende Quartett begeisterte und begleitete danach Malin Hartelius in Respighis lyrischem Gedichtepos „Il Tramonto“, das in seiner dichten Tonsprache und der berührenden Geschichte Betroffenheit im Publikum auslöste. Eine fast schon herbstliche Stimmung verströmte nach der Pause die zweite Violasonate von Johannes Brahms, die von Ruth Killlius und Martin Lucas Staub mit grossem Farbenreichtum und Leidenschaft interpretiert wurde. Die Sehnsucht nach dem Geliebten entführte in Massenets Elégie und im Chanson Perpétuelle von Chausson nochmals in eine Traumwelt, bevor drei Slawische Tänze von Dvořák das pralle Leben zurückbrachten.

Im Schlusskonzert vom Sonntag stellte das Schweizer Klaviertrio seine Vertrautheit mit Beethoven im zweiten Trio des Opus 70 unter Beweis. Als eindrückliches romantisches Tongemälde in russisch-elegischem Stil erwies sich Anton Arenskys erstes Klaviertrio. Dessen Interpretation beeindruckte ebenso tief wie die Three Songs für Sopran, Viola und Klavier von Frank Bridge. Die Thurgauer Zeitung schreibt: „Das Publikum liess sich von den Interpretationen des Klaviertrios und der Solisten offenkundig mitreissen. «Es ist diese atemlose Stille zwischen den Sätzen, die mir zeigt, dass wir die Zuhörer mitgenommen haben», sagt Martin Staub später.“

Der grosse Sehnsuchtsbogen, der sich über den musikalischen Teil des Festivals spannte, wurde auch kulinarisch aufgenommen mit fein abgestimmten Menus im Lilienberg Restaurant. Die zahlreichen Gäste und die angeregten Gespräche zeigten, dass der Ausklang bei Speis und Trank mittlerweile für viele Besucher zum festen Bestandteilt des Festivals geworden sind. So konnte das Team des Festivals Kammermusik Bodensee und Geschäftsleiter Roland Meier am Ende auf ein höchst gelungenes Festival zurückblicken.

Das Festival Kammermusik Bodensee ist zurück auf dem Lilienberg vom 26.08. – 28.08.2022

 

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