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Festival Kammermusik Bodensee 26. bis 28. August 2022

Wanderer zwischen den Welten - Rückblick

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Das Festival Kammermusik Bodensee 2022 bietet begeisternde Konzerte voller Entdeckungen

 

«Wild und dicht: Das Festival Kammermusik Bodensee startet mit einer Uraufführung und einer Wiederentdeckung.» Unter diesem Titel beschreibt der Musikjournalist Martin Preisser im Tagblatt das Eröffnungskonzert des diesjährigen Festivals Kammermusik Bodensee, das vom 26. bis 28. August im Konzertsaal des Lilienberg-Zentrums zahlreiche Musikfreunde begeisterte.

«Nein, dieses Festival ruht sich nicht auf dem gängigen Kammermusikrepertoire aus, sondern wagt ein anspruchsvolles Eröffnungskonzert, eines, bei dem das Publikum aber gerne und konzentriert mitgeht.» Martin Preisser trifft damit den Kern des diesjährigen Programms unter dem Titel «Wanderer zwischen den Welten». Aus Anlass des 150. Geburtstags des Schweizer Komponisten Paul Juon, der 1872 als Sohn von Schweizer Auswanderern in Moskau geboren wurde, standen dichte und leidenschaftliche Werke aus seiner Feder im Zentrum des Festivalprogramms. Obschon dem Publikum die allermeisten Werke des Festivalprogramms wohl kaum bekannt waren, stiessen die Konzerte auf grosses Interesse und fanden durchwegs vor sehr gut besetztem Saal statt.

 

Diese Neugierde der Musikliebhaber freute den Künstlerischen Leiter Martin Lucas Staub besonders: «Für mich ist es ein grosser Vertrauensbeweis des Publikums, dass sich so viele Menschen auf das Wagnis einliessen, kaum je gespielte Musik kennenzulernen. Und die Begeisterung des Publikums nach den Konzerten bis hin zur Standing Ovation am Ende des Festivals zeigen mir, dass sich die etwas gewagte Programmierung ausgezahlt hat.» Neu im diesjährigen Festival war auch eine Ausstellung im Foyer des Lilienberg-Zentrums unter dem Titel «Paul Juon – Bündner Komponist aus Moskau – Spät geboren, früh vergessen, neu entdeckt.» Dazu kam ein Podiumsgespräch zu diesem Schwerpunktthema mit dem Kulturvermittler Walter Labhart. All diese Angebote stiessen auf reges Interesse.

Zu den Neuerungen gehörte auch eine Uraufführung des 1968 in Lausanne geborenen Komponisten Richard Dubugnon. Für sein Klaviersextett «Rundtanz» liess er sich einerseits inspirieren von Paul Juons Sextett op. 22, andererseits von den Art-brut-Bildern des Schweizer Künstlers Adolf Wölfli.

«Der Komponist lebt hier seine Lust an einem falschen Walzer aus. Rhythmisch wird man als Zuhörender immer wieder gefoppt und vom schwankenden Charakter des Satzes mitgerissen… Der zweite Satz ist eine wilde Toccata mit vertrackten Rhythmen wie einem 13/8-Takt… Der perkussive Groove des Satzes mit seinem auch jazzigen Einschlag und wiederum mit der Lust an nicht symmetrischen Rhythmen beflügelte das ausführende Sextett (Angela Golubeva, Rustem Monasypov, Martin Lucas Staub, Grigory Maximenko, Claude Hauri und Richard Dubugnon) zu einer engagierten, pointierten Uraufführung. Die recht elementare Kraft der beiden Sätze begeisterte das Publikum.» So lesen wir im Tagblatt.

Auch Paul Juons kraftvolles Klaviersextett op. 22 erlebte eine eindrückliche Aufführung, die den Einfluss Tschaikowskys hörbar werden liess.

Tschaikowsky bildete denn auch mit seinem «Souvenir d’un lieu cher» op. 42 den virtuosen Auftakt ins Programm, überzeugend gespielt von der Geigerin Tanja Becker-Bender, die auch den öffentlichen Workshop für junge Geigerinnen erteilte.

 

In der eindrücklichen Matinee Junge Talente vom Sonntagvormittag präsentierten sie ihr Können zusammen mit jungen Musikerinnen der PMS Kreuzlingen und der Pianistin Kateryna Tereshchenko. Der für die Teilnehmerinnen kostenlose Workshop und die Matinee gehören zum traditionellen Engagement des Festivals und des Förderkreises Kammermusik Schweiz für den Nachwuchs.

Im Samstagskonzert standen klangfarbenreiche Tondichtungen im Zentrum: Mit Paul Juons emotionaler Tondichtung «Litaniae» und Arnold Schönbergs zauberhafter «Verklärter Nacht» in einer Transkription für Klaviertrio zogen Angela Golubeva, Sébastien Singer und Martin Lucas Staub die Zuhörer in ihren Bann. Davor führte Silvia Zabarella in Mozarts Oboenquartett und Saint-Saëns Oboensonate mit schwebendem Ton hin zu dieser Traumwelt.

Den klangfarbenprächtigen Abschluss des Festivals bildete am Sonntag die gefeierte Aufführung von Paul Juons Kammersinfonie op. 27, in der vier Bläser, drei Streicher und Klavier quasi ein Sinfonieorchester im Taschenformat formen. Das reichhaltige Instrumentarium wurde in der ersten Programmhälfte vorgestellt mit Beethovens Hornsonate, in der Antonio Lagares die Möglichkeiten seines Instruments voll ausschöpfte, mit dem Trio Pathétique von Glinka, in dem Fabio Di Càsola und Rui Lopes mit Klarinette und Fagott in einen opernhaften Dialog traten, und den Charakterstücken der Trio Miniatures von Juon für Klaviertrio.

Zahlreiche Gäste liessen die Konzerte im hervorragenden Lilienberg Restaurant bei Speis und Trank ausklingen. So konnte das Team des Festivals Kammermusik Bodensee und Geschäftsleiter Roland Meier am Ende auf ein höchst erfolgreiches Festival zurückblicken.

Das Festival Kammermusik Bodensee ist zurück auf dem Lilienberg vom 25.08. – 27.08.2023

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