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Szenenbild, Festival Kammermusik Bodensee 2025 «Klangbilder», 31.08.2025, Schweizer Klaviertrio, Maryleen Schiltkamp
Festival Kammermusik Bodensee
28. bis 30. August 2026
Inspirationen
Lilienberg Ermatingen
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Das Detailprogramm 2026 ist online !
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Hier geht es zum Bilderbogen des Festivals 2025 von Jorim Jaggi und Christian Binggeli​










Festival Kammermusik Bodensee 2026 - Inspirationen
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Das Festival Kammermusik Bodensee nimmt Sie mit zu Inspirationsquellen von Komponisten, die sich von den unterschiedlichsten Orten und von verschiedensten Umständen zu Werken anregen liessen, die wir noch heute bewundern. Ein feines Beziehungsnetz zieht sich durch die Musik der Konzertprogramme und verbindet Komponisten, Entstehungsorte, Einflüsse, Anregungen und Charakter der Werke untereinander.
Wussten Sie, dass die Opernkomponisten Rossini und Glinka auch einige wenige kammermusikalische Perlen geschrieben haben? Der junge Glinka schuf sein «Gran Sestetto» während seiner Mailänder Jahre, als er fast täglich in der Scala anzutreffen war und sich mit Bellini anfreundete, dem Meister des Belcanto. Der italienische Einfluss ist denn auch unüberhörbar in diesem brillanten Kammermusikwerk. Rossini dagegen widmete sich erst in seinen späten Pariser Jahren der Instrumentalmusik. Das heitere Flötenquartett in G-dur gehört zu einer Reihe von vier Werken der gleichen Besetzung, die er in Paris nach seinen eigenen «6 Sonate a quattro» bearbeitete, die er 1804 als 12 jähriger komponiert hatte. Das Duetto für Cello und Kontrabass hingegen verdankt seine Entstehung der Bitte des englischen Bankiers und späteren Parlamentsmitglieds David Salomons. In der Uraufführung spielte der Virtuose Dragonetti Bass und der Auftraggeber Cello, der für das opernhafte Duetto immerhin 50 Pfund bezahlte. Eine wahre Kostbarkeit! Dass Rossini in seinen letzten Jahren auch für seine Kochkünste bekannt war, passt dann auch bestens zu unserer exzellenten Lilienberg-Küche!
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Der bereits ertaubte Beethoven soll Rossini bei einer Begegnung in Wien 1822, als die ganze Stadt im berühmten «Rossini-Taumel» lag, geraten haben, sich ausschließlich auf komische Opern zu beschränken, und fügte hinzu: «...sehen Sie, die ernste Oper liegt nun einmal den Italienern nicht.» Beethoven seinerseits hatte 25 Jahre vor dieser Begegnung sein Klavierquintett op. 16 für Klavier und vier Bläser komponiert, eine Musik, die durchaus dramatisch aufgeladen ist. Im langsamen Satz nimmt er sogar hörbar Bezug auf eine Arie der Zerlina aus Mozarts «Don Giovanni», während das Finale auch Raum für Beethovens berüchtigten Humor bietet.
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Humor und Leichtigkeit sind auch das Merkmal der «Trois Pièces Brèves» für Bläserquintett von Jacques Ibert, fabelhafte Miniaturen, in denen die ausgelassene Stimmung im Paris der 1920er Jahre weiterlebt. Und genau in diesen Jahren kontaktierte in Paris ein reicher Amerikaner irischer Abstammung den jungen Genfer Komponisten Frank Martin und bat ihn, ein Trio über irische Volksmelodien zu komponieren, zweifellos in der Hoffnung, ein leicht spielbares Potpourri beliebter «folkloristischer» Melodien zu erhalten. Frank Martin verwendet in seinem Trio wohl 14 irische Volksmelodien unverändert, aber in einer so raffinierten Weise, dass der nostalgische Auftraggeber die Annahme des Werkes und die Auszahlung des vereinbarten Honorars verweigerte.
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Hier gehen nun zwei Assoziationsäste im Programm weiter:
Da wäre einmal Gabriel Fauré, der in Paris 1879 für die «Société Nationale de Musique» sein Klavierquartett op. 15 komponierte. In dieser Zeit nahmen es Saint-Saëns, Fauré und weitere Kollegen in die Hand, die französische Kammermusik in einer Gattung zu emanzipieren, die damals von deutschen Vorbildern wie Mendelssohn, Schumann und Brahms beherrscht wurde. Das Quartett von Fauré löst diesen Anspruch in beeindruckender Manier ein.
Der zweite Ast führt zu einer Schweizer Inspirationslinie, die wir mit Frank Martin aufgenommen haben. Paul Juon, der uns mittlerweile wohlbekannte in Moskau geborene Bündner Komponist, kommt mit seinem Divertimento op. 51 für Bläserquintett und Klavier zu Wort, das in seiner leichteren Art einen wunderbaren Bogen zu Ibert und Rossini spannt. Die Musik ist witzig und voller Überraschungen in ihren Rhythmen und Klangfarben. Entstanden 1913 in Berlin ergibt sich mit diesem Werk ein kurzer Umweg in die deutsche Hauptstadt, wo Juon vom berühmten Joseph Joachim als Kompositionslehrer an die Berliner Hochschule für Musik berufen wurde. Ebenfalls Joachim war es, der Max Bruch zu seiner Position an der Königlichen Akademie der Künste in Berlin verholfen hatte. In seinen späten Berliner Jahren komponierte Bruch die Stücke op. 83 ursprünglich für Klarinette, Viola und Klavier, publizierte aber gleichzeitig auch eine alternative Fassung für Violine anstelle der Klarinette. Max Bruch wiederum war mit einem gewissen Johannes Brahms befreundet, der nun den Schweizer Ast weiterführt. Drei wunderbare Sommer verbrachte Johannes Brahms 1886 bis 1888 am Thunersee und komponierte da zahlreiche Meisterwerke, die durchaus von der eindrücklichen Gebirgslandschaft des Berner Oberlandes inspiriert erscheinen. So auch das Klaviertrio op. 101. Brahms traf in diesen entspannten Sommermonaten auch immer wieder seinen alten Freund Joseph Viktor Widmann in Bern. Derselbe Widmann, der 1868 in Winterthur die Trauung des Komponisten Hermann Goetz mit der Zeichenlehrerin Laura Wirth vollzogen hatte. Hermann Goetz, der auch Brahms kannte, war fünf Jahre zuvor als 23-jähriger der Nachfolger von Theodor Kirchner als Organist an der Stadtkirche Winterthur geworden, dem wir im Festival vor zwei Jahren begegnet sind. Goetz’ Klavierquintett op. 16 aus dem Jahr 1874 ist sein letztes Kammermusikwerk vor seinem allzu frühen Tod vor 150 Jahren in Zürich. Dieses eindrückliche Werk beschliesst denn auch unser diesjähriges Festival.
All diese spannenden Musikreisen werden interpretiert von hochkarätigen internationalen Musikerinnen und Musikern und kommentiert vom Künstlerischen Leiter Martin Lucas Staub.
Für den traditionellen Workshop konnte dieses Jahr der Wiener Pianist Claus-Christian Schuster gewonnen werden, der am Freitag und Samstag junge Kammerensembles unterrichten wird. Sein Unterricht ist unglaublich inspirierend und getragen von einem Musikverständnis und einem Wissen, das man beinahe schon enzyklopädisch nennen müsste. Interessierte können den Unterricht bei freiem Eintritt mitverfolgen.
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In der Matinee am Sonntagvormittag sind dann Musiktalente aus dem Thurgau sowie die Teilnehmer des Workshops für Kammermusik mit einem abwechslungsreichen Programm zu erleben.
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Es erwartet Sie ein inspirierendes Musikwochenende auf dem herrlich ruhig gelegenen Lilienberg mit seiner gepflegten Parkanlage, dem Blick auf den See, schönen Gästezimmern und einer exzellenten Küche zur kulinarischen Abrundung des Musikgenusses. Ein Genuss für alle Sinne!











